Barrierefreie Website testen

Sie wollen wissen, ob Ihre Website barrie­re­frei ist, und suchen eine Checkliste, die mehr ist als ein Scanner-Ergebnis. Hier finden Sie den Selbsttest Schritt für Schritt, kostenlose Werkzeuge für jede Prüfung und eine ehrliche Einordnung, was ein Selbsttest leisten kann und wann eine formale Prüfung nötig ist.

  • Selbsttest in neun SchrittenTastatur, Zoom, Kontrast, Struktur
  • Kostenlose WerkzeugeScanner, Kontrast­prü­fung, Screen­reader
  • Grenzen kennenWas kein Tool auto­ma­tisch findet
Drei Ebenen der Prüfungnach Aufwand
  • Auto­ma­ti­scher ScanMinuten je Seite, findet nur einen Teil der Barrieren. EINSTIEG
  • Manueller SelbsttestTastatur, Zoom, Kontrast, Struktur und Formu­lare von Hand. KERN
  • Screen­reader-StichprobeZeigt, ob die Seite auch ohne Bild verständ­lich ist. VERTIEFUNG
  • Formale PrüfungBITV- oder WCAG-Test durch eine Prüf­stelle. NACHWEIS
Ein Scanner allein sagt nicht, ob eine Website barrie­re­frei ist.

Wogegen Sie testen

Maßstab sind die Web Content Acces­si­bi­lity Guidelines (WCAG) des W3C. Sie ordnen alle Anfor­de­rungen vier Prinzipien zu: wahrnehmbar, bedienbar, verständ­lich und robust. Jedes Erfolgskriterium hat eine Stufe A, AA oder AAA. Gesetze und Normen in der EU verlangen in der Regel die Stufen A und AA. Die europäische Norm EN 301 549, auf die sich BFSG und BITV 2.0 stützen, verweist in der aktuell geltenden Fassung auf WCAG 2.1. Eine neue Fassung auf Basis von WCAG 2.2 ist bereits erschienen. WCAG 2.2 ist abwärts­kom­pa­tibel: Wer nach 2.2 AA testet, deckt 2.1 mit ab. Ob Ihre Website unter eine gesetzliche Pflicht fällt, erklärt die Seite Barrie­re­freie Website. Hier geht es um die Technik des Testens. Rechtliche Fragen klären Sie bitte mit einer Fach­be­ra­tung, dies ist keine Rechts­be­ra­tung.

Welche Seiten Sie prüfen
  • StartseiteMit Menü, Header, Footer und Cookie-Banner. IMMER
  • Typische Inhalts­seiteJe Seiten­vor­lage eine, etwa Leis­tung und Beitrag. IMMER
  • FormulareKontakt, Anmeldung, Suche, Kasse. IMMER
  • DokumentePDFs, die Besucher wirk­lich brau­chen. EXTRA
Die meisten Fehler wiederholen sich, weil sie in der Vorlage stecken.

Checkliste: Selbsttest in neun Schritten

Für eine erste belastbare Einschät­zung brauchen Sie je Seite etwa eine halbe Stunde. Notieren Sie jeden Fund mit Seite, Stelle und betroffenem Kriterium, dann lassen sich die Fehler später gezielt beheben.

  1. 1

    Automatisch scannen

    Prüfen Sie jede ausgewählte Seite mit einem Scanner wie WAVE oder axe DevTools. Beheben Sie eindeutige Fehler wie fehlende Alter­na­tiv­texte, leere Links oder Felder ohne Beschrif­tung zuerst.

    Hinweise und Warnungen sind keine Fehler, sondern Stellen, die Sie von Hand prüfen müssen.

  2. 2

    Nur mit der Tastatur bedienen

    Legen Sie die Maus weg. Gehen Sie mit Tab vorwärts und Umschalt+Tab zurück, lösen Sie Links mit Enter und Schalt­flä­chen mit der Leertaste aus. Menüs, Aufklappbereiche und Dialoge müssen sich öffnen und mit Escape schließen lassen.

    Prüfen Sie dabei: Gibt es einen Link zum Über­springen der Navigation? Ist der Fokus immer sichtbar? Bleibt er nirgends hängen? Verdeckt ein fester Header oder der Cookie-Banner das fokus­sierte Element?

  3. 3

    Vergrößern und umbrechen

    Zoomen Sie im Browser auf 200 Prozent. Kein Text darf abge­schnitten werden oder sich überlagern. Gehen Sie dann auf 400 Prozent: Die Seite muss sich in eine Spalte umbrechen, ohne dass Sie waagerecht scrollen müssen.

    Ausnahmen gelten nur für Inhalte, die zwei­di­men­sional sein müssen, etwa große Tabellen oder Karten.

  4. 4

    Kontraste messen

    Normaler Text braucht ein Kontrast­ver­hältnis von mindestens 4,5 zu 1, großer Text 3 zu 1. Groß heißt etwa ab 24 Pixel oder ab 18,5 Pixel fett.

    Auch Bedien­ele­mente, Formu­lar­rahmen, Symbole und die Fokus-Markierung brauchen mindestens 3 zu 1 gegenüber ihrer Umgebung. Prüfen Sie Text auf Bildern und Buttons im Hover-Zustand geson­dert.

  5. 5

    Struktur prüfen

    Jede Seite braucht einen eindeutigen Seitentitel im Browser-Tab und die richtige Sprach­an­gabe im Code. Überschriften müssen eine logische Gliederung bilden, beginnend mit einer H1. Wer den Seitentitel optisch ausblendet, sollte die Überschrift für Screen­reader erhalten, siehe Seitentitel ausblenden.

    Links müssen aus sich heraus verständ­lich sein. „Hier klicken“ oder „Mehr“ ohne Zusammenhang sind Barrieren.

  6. 6

    Bilder und Alternativtexte

    Informative Bilder brauchen einen Alter­na­tiv­text, der den Inhalt oder Zweck beschreibt. Rein dekorative Bilder bekommen einen leeren Alter­na­tiv­text, damit Screenreader sie über­springen.

    Ein Scanner meldet nur fehlende Texte. Ob ein vorhandener Text sinnvoll ist, beurteilt nur ein Mensch.

  7. 7

    Formulare ausfüllen

    Jedes Feld braucht eine sichtbare, dauerhafte Beschrif­tung, nicht nur einen Platz­hal­ter­text. Pflichtfelder müssen als solche erkennbar sein, nicht nur durch Farbe.

    Senden Sie das Formular absichtlich fehlerhaft ab. Die Fehlermeldung muss als Text erscheinen, das Feld benennen und sagen, wie es richtig geht. Tipps zur Umsetzung stehen unter Kontakt­for­mular.

  8. 8

    Medien, Bewegung, Zielgrößen

    Videos brauchen Untertitel, reine Tonauf­nahmen ein Transkript. Was sich länger als fünf Sekunden automatisch bewegt, etwa ein Slider, muss sich anhalten lassen. Nichts darf mehr als dreimal pro Sekunde blinken.

    Klick­flä­chen sollten nach WCAG 2.2 mindestens 24 mal 24 Pixel groß sein oder genug Abstand zueinander haben. Testen Sie dazu auch auf dem Smart­phone.

  9. 9

    Mit dem Screenreader gegenhören

    Nutzen Sie NVDA unter Windows oder VoiceOver auf Mac und iPhone. Springen Sie in NVDA mit der Taste H von Überschrift zu Überschrift. Auf dem Mac öffnet VO+U eine Liste aller Über­schriften, Links und Bereiche.

    Achten Sie darauf, ob Schalt­flä­chen einen verständ­li­chen Namen haben, ob Bilder sinnvoll beschrieben werden und ob Meldungen nach dem Absenden vorgelesen werden.

Kostenlose Werkzeuge für den Test

Diese Werkzeuge sind kostenlos und verbreitet. Die Auswahl ist keine Rang­liste. Nutzen Sie mindestens einen Scanner und ein Kontrast­werk­zeug, dazu einen Screen­reader.

WAVE

Browser-Erweiterung von WebAIM für Chrome, Firefox und Edge. Markiert Fehler, Warnungen und die Struktur direkt in der Seite. Die Prüfung läuft lokal im Browser.

axe DevTools

Erweiterung von Deque für die Entwick­ler­tools. Die kostenlose Version prüft automatisch und seiten­weise. Lighthouse in Chrome nutzt dieselbe Prüf-Bibliothek, zeigt aber nur einen Teil der Regeln.

Accessibility Insights

Kostenlos von Microsoft für Chrome und Edge. FastPass prüft in wenigen Minuten, die Bewertung führt Sie Schritt für Schritt durch manuelle Tests nach WCAG AA.

Colour Contrast Analyser

Kostenloses Programm für Windows und macOS mit Pipette. Misst Kontraste überall auf dem Bildschirm, auch in Bildern und Hover-Zuständen.

Screenreader

NVDA ist kostenlos für Windows. VoiceOver ist in macOS und iOS eingebaut, TalkBack in Android. Üben Sie die Bedienung einige Minuten, bevor Sie testen.

PAC für PDFs

Der kostenlose PDF Acces­si­bi­lity Checker prüft PDFs nach PDF/UA und WCAG. Er zeigt auch die Lese­rei­hen­folge und die Struktur als Vorschau.

Was kein Scanner findet

Auto­ma­ti­sche Tools prüfen, was sich im Code messen lässt. Ob etwas verständ­lich, sinnvoll oder bedienbar ist, können sie nicht beur­teilen.

Der britische Government Digital Service hat zehn Tools an einer Testseite mit 143 eingebauten Barrieren geprüft. Alle zusammen fanden 71 Prozent, das stärkste einzelne Tool gut ein Drittel. Das W3C schreibt selbst, dass Tools nicht alle Aspekte prüfen können und mensch­li­ches Urteil nötig ist. Auch Lighthouse weist darauf hin, dass nur ein Teil der Probleme automatisch erkennbar ist.

Ein hoher Punktwert bedeutet deshalb nur, dass die messbaren Regeln erfüllt sind. Eine Seite kann 100 Punkte erreichen und trotzdem ohne Maus unbe­dienbar sein.

  • Sinn von Alter­na­tiv­texten: Das Tool sieht, dass ein Text vorhanden ist, nicht ob „Bild1.jpg“ oder eine brauchbare Beschreibung drin­steht.
  • Reihenfolge und Logik: Ob die Tab-Reihenfolge der sichtbaren Reihenfolge folgt und ob Über­schriften inhalt­lich passen.
  • Eigene Bedien­ele­mente: Menüs, Slider, Filter und Dialoge aus Themes und Page-Buildern, die mit der Tastatur hängen bleiben.
  • Verständ­lich­keit: Fehler­mel­dungen, Linktexte und Anleitungen, die nur mit Farbe oder Posi­tion arbeiten.
  • Overlays: Widgets, die per Skript Barrie­re­frei­heit versprechen, beheben diese Punkte nicht. Im Overlay Fact Sheet erklären mehr als tausend Unter­zeichner, dass kein Overlay eine Website normkonform macht.

Worauf Sie in WordPress achten

Bei WordPress-Websites stammen die meisten Barrieren aus drei Quellen: Theme, Plugins und den Inhalten im Editor.

Wie Sie gefundene Fehler in WordPress konkret beheben, zeigt WordPress barrie­re­frei machen.

  • Theme: Das Schlagwort „acces­si­bi­lity-ready“ im Theme-Verzeichnis heißt, dass das Theme Mindest­an­for­de­rungen erfüllt, etwa Sprunglink, Tasta­tur­be­die­nung und Kontraste. Über Ihre Inhalte und Ihre Anpassungen sagt es nichts.
  • Page-Builder: Sie erzeugen oft verschach­telten Code, Über­schriften nach Optik statt nach Gliederung und Slider ohne Pause-Taste. Prüfen Sie jedes Builder-Element einzeln mit der Tastatur.
  • Plugins: Cookie-Banner, Formulare, Chat-Fenster und Pop-ups sind häufige Barrieren. Ein Banner muss per Tastatur erreichbar sein und darf den Fokus nicht verdecken, siehe Cookie-Banner einrichten.
  • Editor: Alter­na­tiv­texte setzen Sie in der Mediathek oder im Bild-Block. Überschriften wählen Sie nach Ebene, nicht nach Größe. Tabellen brauchen eine Kopf­zeile.
  • Updates: Jedes Theme- oder Plugin-Update kann eine Barriere zurück­bringen. Testen Sie Tastatur und Kontraste nach größeren Updates erneut, vorzugs­weise zuerst auf einer Test­um­ge­bung.

PDFs und formale Prüfung

Der Selbsttest zeigt, wo Sie stehen. Für einen belastbaren Nachweis braucht es eine voll­stän­dige Prüfung nach einem festen Verfahren.

PDFs prüfen Sie mit PAC oder mit der Barrie­re­frei­heits­prü­fung in Adobe Acrobat Pro. Beide finden fehlende Tags, Alter­na­tiv­texte und Sprach­an­gaben. Einige Punkte markieren sie nur zur manuellen Prüfung, etwa die Lese­rei­hen­folge. Ein PDF ohne Struktur lässt sich selten nach­träg­lich repa­rieren. Besser ist ein barrie­re­freier Export aus der Quell­datei.

Das bekannteste Verfahren in Deutschland ist der BITV-Test des BIK-Projekts mit knapp 100 Prüf­schritten. Daneben gibt es einen schlan­keren WCAG-Test. Geprüft wird eine Stichprobe typischer Seiten, durch­ge­führt von Prüfstellen im BIK-Prüfverbund. Eine kostenlose Selbst­be­wer­tung nach demselben Schema bietet bitvtest.de eben­falls an.

Für das BFSG überwacht eine gemeinsame Markt­über­wa­chungs­stelle der Länder die Einhaltung, die MLBF. Sie nimmt auch Hinweise auf Barrieren entgegen. Wer unter das Gesetz fällt, muss außerdem Infor­ma­tionen zur Barrie­re­frei­heit seines Ange­bots bereit­stellen. Was dafür im Einzelnen gilt, klären Sie bitte mit einer Fach­be­ra­tung.

Wann Sie besser Hilfe holen

Den Selbsttest schaffen Sie an einem Tag. Schwieriger ist, was danach kommt: Viele Barrieren stecken im Theme oder in Plugins und lassen sich nicht im Editor beheben.

  • Menü, Slider oder Cookie-Banner lassen sich mit der Tastatur nicht bedienen.
  • Ihr Angebot fällt unter das BFSG und Sie brauchen eine voll­stän­dige Prüfung aller Vorlagen.
  • Nach jedem Update tauchen neue Barrieren auf, und niemand prüft sie.
WordPress-Hilfe auch für Nicht-Kunden

Wir prüfen Ihre WordPress-Website nach WCAG, beheben die Barrieren in Theme und Plugins und halten sie bei Updates barrie­re­frei. Mehr dazu unter Barrie­re­freie Website.

Nachricht oder Termin WordPress-Hilfe im Notfall

Fragen zum Barrierefreiheitstest

Wie prüfe ich, ob meine Website barrierefrei ist?

Mit einem auto­ma­ti­schen Scan und einem manu­ellen Selbst­test. Scannen Sie typische Seiten mit einem Tool wie WAVE und prüfen Sie dann von Hand Tasta­tur­be­die­nung, Zoom, Kontraste, Struktur und Formulare. Eine verbindliche Aussage liefert nur eine voll­stän­dige Prüfung nach WCAG, etwa der BITV-Test.

Was sind die 4 Prinzipien der Barrierefreiheit?

Wahrnehmbar, bedienbar, verständ­lich und robust. Die WCAG ordnen alle Anfor­de­rungen diesen vier Prinzipien zu. Inhalte müssen sich sehen oder hören lassen, mit verschie­denen Einga­be­arten bedienbar sein, verständ­lich formuliert und technisch sauber umge­setzt sein.

Welche Kriterien muss eine barrierefreie Website erfüllen?

In der Regel die Erfolgs­kri­te­rien der WCAG in den Stufen A und AA. Dazu gehören ausrei­chende Kontraste, Alter­na­tiv­texte, voll­stän­dige Tasta­tur­be­die­nung, sichtbarer Fokus, beschrif­tete Formulare und eine logische Über­schrif­ten­struktur. Die europäische Norm EN 301 549 übernimmt diese Krite­rien.

Wie kann ich ein PDF auf Barrierefreiheit prüfen?

Mit dem kostenlosen PDF Acces­si­bi­lity Checker (PAC) oder mit Adobe Acrobat Pro. Beide prüfen Tags, Alter­na­tiv­texte, Sprache und Struktur. Die Lesereihenfolge und die Qualität der Texte müssen Sie zusätzlich von Hand kontrol­lieren.

Wer überprüft die Barrierefreiheit?

Für das BFSG die Markt­über­wa­chungs­stelle der Länder (MLBF). Sie überwacht die Einhaltung und nimmt Hinweise auf Barrieren entgegen. Freiwillige Prüfungen, etwa nach dem BITV-Test, führen unabhängige Prüfstellen durch.

Reicht ein Barrierefreiheits-Plugin oder Overlay?

Nein, ein Overlay macht eine Website nicht barrie­re­frei. Solche Widgets können fehlende Beschrif­tungen, Tasta­tur­be­die­nung oder verständ­liche Fehler­mel­dungen nicht zuverlässig ergänzen. Die Barrieren müssen im Theme, in den Plugins und in den Inhalten selbst behoben werden.

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